Historisches zum Hoyerbergschlössle

Abb. 1: "Ansicht von Lindau vom Hoyerberg", Farblithographie von R. Dinkenmann, ca. 1860
Abb. 1: "Ansicht von Lindau vom Hoyerberg", Farblithographie von R. Dinkenmann, ca. 1860

Der Hoyerberg ist ein eiszeitlicher Hügel aus Moränenschutt, der sich ca. 70 m über dem Niveau des Bodensees erhebt. Von diesem stadtnächsten aller Drumlins, hat man einen phantastischen Blick auf die Inselstadt Lindau, im Osten die Bregenzer Bucht, im Süden die Rheinmündung. Auf Schweizer Gebiet sehen wir den höchsten Berg der Bodenseeregion, den Säntis mit 2500 Metern.

 Der Hoyerberg diente jahrhundertelang als Weinberg des Evangelischen Heiliggeist Spitals. Am Südhang des Hügels zeugt der uralte Torggel (Erbauungszeit 1578) von dieser langen Geschichte. Im Jahr 1850 erwarb der Lindauer Kaufmann Adolph Gruber (Lindenhofpark) den östlichen Teil des Hoyerbergs samt Torggel. Seine Schwester Dora Gruber ließ auf dem höchsten Punkt des Hügels ein luftiges Belvedere mit Turm erbauen. Das Gebäude diente den Arbeiten im Weinberg, hatte aber auch einen kleinen Festsaal im 1. Stock. Der freistehende fast 15 Meter hohe Aussichtsturm erinnert mit seinem flachen Dach und dem offenen obersten Geschoss an italienische Villenarchitektur. Baumeister des Schlössles war Johann Christoph Kunkler aus Sankt Gallen.

Während die Familie Gruber im 19. Jahrhundert den Weinanbau am Hoyerberg noch als das Herzstück ihres Gutsbetriebs angesehen hatte, wurde um 1900 klar, dass der Weinbau in Lindau und Umgebung fast völlig zum Erliegen kommen würde: Mehltau und Reblaus machten den Weinstöcken schwer zu schaffen.

 1917 verkaufte die Familie Gruber den Hoyerberg an die selbständige Gemeinde Hoyren. Der Kaufpreis von 80 000 Reichsmark konnte durch eine erstaunliche Spendenaktion von Bürgern der Gemeinden Hoyren und Schachen aufgebracht werden. Dem Bürgermeister von Hoyren, Johannes Thomann, gelang dies, obwohl die Not überall groß war.

 Der Ausblick auf den See, die Berge und die Insel Lindau sind einzigartig. Eine Chronik von 1917 nennt diesen Platz „den schönsten Aussichtspunkt am deutschen Bodensee“. 1922 wurden die ehemals selbständigen Gemeinden Hoyren, Aeschach und Reutin eingemeindet. Als „Brautgeschenk“ für die neue Stadtgemeinde Lindau brachte Hoyren das wertvolle „Schlössle“ mit. Auf diese Weise kam es in den Besitz der Stadt Lindau. Die Pläne, dort eine Heldengedenkstätte einzurichten, wurden fallen gelassen, dafür richtete Eduard Hagge, Lindaus verdienter Flugpionier und Hotelier, 1926 eine Gaststätte ein, die mit ihrem bürgerlichen Angebot ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus Nah und Fern wurde.

 Mehrere Erweiterungsbauten, die Anlage eines Wasserspeichers in unmittelbarer Nähe und die Errichtung eines Sendemastes, haben der anmutigen Schönheit des Gebäudes zugesetzt, der atemberaubende Blick ist bis heute erhalten.

 Nach Umbauten erlebte das Schlössle von 1979-2012 eine gute Zeit als Gourmet-Restaurant für höchste Ansprüche. Der französische Staatspräsident Francois Mitterand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl trafen sich 1993 dort zu einem Essen. In all den guten Jahren nahm die Stadt eine hohe Pacht ein, versäumte es aber, in das Gebäude zu investieren. Unter diesen Bedingungen gaben die Pächter Ende 2012 auf, seitdem ist es geschlossen.

 Seit dem Jahr 2013 versuchte die Stadt dieses Kleinod meistbietend zu verkaufen, da sie nicht die Möglichkeit sah, das Gebäude zu sanieren und erneut zu verpachten. Dagegen leistete eine Bürgerinitiative „Hände weg vom Hoyerbergschlössle“ Widerstand und übergab im Juli 2014 dem Oberbürgermeister der Stadt Lindau 2200 gesammelte Unterschriften. Die Stadt strebte jedoch weiter nach einem Verkauf oder einer Vergabe nach dem Erbbaurecht.

Mit der Gründung des „ Fördervereins Hoyerbergschlössle“ am 9. Januar 2019 wollen engagierte Bürger nun ein Umdenken der Stadt bewirken. Ziel des Vereins ist es, darauf hin zu arbeiten, dass die Stadt das Kleinod behält, es saniert und einer dauerhaften öffentlichen Nutzung zuführt. Dieses bürgerschaftliche Engagement soll es der Stadt Lindau erleichtern, Fördermittel und Zuschüsse für die Sanierung des Schlössles bei staatlichen und privaten Geldgebern zu bekommen.

 

Autoren: Marigret Brass-Kästl und Peter Borel

 

 

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